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Begleitende Hochschulforschung als Fortsetzung der Hochschulpolitik mit friedlichen Mitteln? (Prof. Dr. Peer Pasternack)

Von Stefanie Kretschmer am 03.01.2017

Begleitforschung?

Mit Begleitforschung verbinden sich inhaltlich unterschiedliche Hoffnungen und Motive. Die Hoffnung der Finanziers bzw. Auftraggeber: Es entstehe Wissen, das die Akteure der begleitend beforschten Vorgänge zur Selbstverbesserung nutzen oder das sich für Interventionen nutzen lasse. Die Motive der BegleitforscherInnen: Es ließen sich Feldzugänge erschließen, die die Bearbeitung weitergehender Fragestellungen ermöglichten.

Die Begleitforschung zum Qualitätspakt Lehre hat es mit einem weiteren Problem zu tun: den Sonderbedingungen. Das Problem ist aus der Mee­resbiologie bekannt: Um Lebewesen im Meer wis­senschaftlich beobachten zu können, muss mittels eines Käfigs ein Stück na­türlicher Lebensraum isoliert werden. Andernfalls lassen sich zwar gewiss Lebewesen beobachten, aber nur höchst selten die jeweils selben Ex­em­plare. Sobald aber der natürliche Lebensraum zu Untersuchungszwecken mit Hilfe des Käfigs unterteilt wird, ist nicht mehr alles so, wie es vorher war. Außerhalb des Käfigs geht das Leben fort wie gewohnt. Innerhalb ist einerseits die Bewegungs­freiheit eingeschränkt, andererseits die Gefahr durch äußere Feinde oder Nah­rungskonkurrenz ausgeschaltet. Das methodische Problem: Wel­che Zuverlässigkeit ha­ben nun wissenschaftliche Erkenntnisse, die unter solchen zwar realitätsnahen, aber nicht realitätsidentischen Um­ständen gewonnen werden?

Das müssen sich auch die QPL-BegleitforscherInnen fragen, wenn sie in die Tauchkapsel steigen und die projektgeförderten QPL-Aktivitäten betrachten. Denn durch die Sonderförderung finden die Entwicklungsaktivitäten nur bedingt unter realen Feldbedingungen statt. Was davon kann unter realen Feldbedingungen Bestand haben? Das wiederum interessiert besonders den Doppelauftraggeber des QPL und der QPL-Be­gleit­forschung, also das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

 

Anwendungsforschung mit Beratungsanteilen

Begleitforschung wird so zu einem Sonderfall von Anwendungsforschung mit Teilaspekten von Beratung. Beide finden sich im Modell der sog. Forschungskette idealisierend gekoppelt: Dieses zeich­­net ein Kon­­­tinuum von der zweckfreien Grundlagen- und Vorlaufforschung über die an­­wen­dungs­orientierte Forschung bis hin zur unmittelbar an ein praktisches Problem gebundenen Entwicklung und Beratung. Eine Stufe baue auf der anderen auf, so dass zunächst zweckun­gebundenes Wissen fortschreitend in zweckgebundenes transformiert werde. Das (Forschungs-)Leben ist meist nicht so eindeutig.

Einen Wert hat die­se ‚For­schungs­ket­te‘ aber immerhin, wenn man sie sich rückwärts anschaut. Dann macht sie eines deutlich: Der Innovationsent­wicklung und Beratung ginge über kurz oder lang der kreative Atem aus, wenn die permanenten Impulse der Grundlagen- oder Vorlaufforschung versiegten.

BeraterInnen, die die Begleitforscher also auch ein bisschen sein sollen, sol­len kom­pe­­tent Entwicklun­gen einordnen und Pro­blemlösungsoptionen formulieren. Dabei wird vor al­lem auf ihre Kenntnis langfristiger Trends, ver­gleichbarer Fäl­­le, relevanter Kontex­te, prognostischer Wahr­schein­lichkei­ten, typischer Feh­­ler und Dilemmata, allfälliger Zielkonflikte, nicht­­intendierter Hand­lungsfolgen, alternativer Op­tionen und der spe­­zi­fi­schen Wissenschaftskultur gesetzt. Im Ergebnis, so Peter Weingart und Justus Lentzsch, soll Beratung zur Ver­än­de­rung kognitiver Schemata auf Sei­­ten der Beratenen führen. Das verbessere de­ren Fähigkeit zur Problemlösung.

 

Schnittstellenkommunikation

Die Begleitforschung möchte wissensgestützt erklären und die QPL-Projektpraxis wissensgestützt gestalten. Die Praxis kann die Begleitforschung mit Problemen und Empirie versorgen, die Begleitforschung die Praxis mit wissenschaftlich gestützter Urteilsfähigkeit. Die Praxis kann der Forschung ein interessanter Fall sein, die Begleitforschung der Praxis eine kostenlose Problemursachenaufklärung. Wechselseitig können sich beide aber auch zum Ärgernis werden. Will die Begleitforschung dies zumindest von ihrer Seite her vermeiden, ist Wissenschaftskommunikation gefragt.

Wissenschaftskommunikation richtet sich, anders als die wissenschaftliche Kommunikation, an die Umwelt. Sie übersetzt Forschungswissen zum einen in Verständlichkeit für NichtwissenschaftlerInnen, zu anderen in Anwendungskontexte – hier: die Hochschulentwicklungspraxis. Sie ist insoweit transdisziplinäre Kommunikation und bewegt sich an einer Schnittstelle: An einer solchen ist zugleich etwas unterschieden wie verbunden. Die Kommunikation soll eine Grenze überbrücken, ohne sie aufzuheben. Denn würde sie die Grenze aufheben, wären entweder die Forschung oder die Praxis oder beide toxisch kontaminiert – die eine von den Interessen und Idiosynkrasien der Praxis, die andere von den Idiosynkrasien und den für die Praxis nicht relevanten Aspekten der Forschung.

Grundsätzlich gilt: Welche Ex­pertise zu welchem Zweck genutzt wird, bestimmen in jedem Falle die Nach­fra­ger, nicht die An­bieter der Expertise (Volker Ronge). Um die Chance auf Expertise-Nutzung zu wahren, müssen die ExpertInnen also solche Kommunikationsangebote unterbreiten, an die die Hochschulentwick­lungspraxis anschließen kann. Dazu sind Übersetzungsleistungen nötig, denn die Praxis kom­muniziert nicht wissenschaft­lich, sondern praktisch. Übersetzungen jeglicher Art wiederum, da darf man sich keine Illusionen machen, sind nie verlustfrei zu haben. Doch ein Trost liegt auf diesem Weg des Wissens in die Praxis: Die alternative Option zum Transfer mit Übersetzungsverlusten ist nicht der Transfer ohne Übersetzungsverluste – sondern wäre der Nichttransfer des Wissens, das vor der Verschmutzung durch Praxiserfordernisse gerettet wurde, aber damit dann auch nichts zur Rettung der Hochschulpraxis beitragen kann.





Kommentare


Anke Hanft | 08.01.2017

Geht es wirklich nur um den Transfer von Wissen in die Hochschulpraxis mit durch die Wissenschaft in Kauf zu nehmenden Übersetzungsverlusten? Geht es nur um die Gestaltung einer Schnittstelle, um die richtige, praxisangemessene Kommunikation? Und ist es nicht ein Mythos, von einer toxisch nicht durch Praxis kontaminierten Forschung und einer durch Forschung toxisch nicht kontaminierten Hochschulpraxis auszugehen? Ist nicht Forschung wie auch Hochschulpraxis in ihrem konkreten Handeln immer interessengeleitet und wäre es dann nicht konsequent, sich über diese Interessen zu verständigen und sie zusammenzuführen?
In einem von der KoBF gemeinsam mit HRK nexus durchgeführten Expertenworkshop mit Hochschulleitungen wurde von einer Begleitforscherin die Frage gestellt, was denn Hochschulleitungen von der Begleitforschung zum QPL erwarten. Die Reaktion: Schweigen. Erst in der weiteren Diskussion entstanden einige an die Begleitforschung gerichtete Ideen, die mit sehr konkreten Interessen verbunden waren: Wenn die Begleitforschung Ergebnisse generieren würde, die Hochschulleitungen in ihren Entscheidungsprozessen unterstützen, welche der vielen im QPL erprobten Maßnahmen mit Blick auf eine konkrete Verbesserung der Hochschulpraxis sinnvoll seien, dann wäre sie nützlich. Dies sind aus der Perspektive der Praxis berechtigte Ansprüche, die in die Schlussfolgerung einmünden können, dass Hochschulen bereits bei der Generierung relevanter Fragestellungen in der Hochschulforschung zu beteiligen wären. Ist also die Begleitforschung in der gegenwärtigen Form viel zu angebotsoffen, indem in eine breit formulierte Ausschreibung alle möglichen Forschungsinteressen, die zwar für die Scientific Community interessant sein können, deren praktische Relevanz aber ungeprüft bleibt, verpackt werden können?



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