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Aktionsforschung als intervenierende Begleitforschung? (Dr. Eva Cendon und Dr. Annika Maschwitz)

Von Stefanie Kretschmer am 13.02.2017

Forschungsvorhaben, die Entwicklungs- und Innovationsprojekte flankieren, haben zwei wichtige Aufgaben: Zum einen sind sie im Hinblick auf die theoretische und wissenschaftliche Einordnung und Einbettung der begleiteten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben von zentraler Bedeutung. Zum anderen sollen sie sowohl in der Entwicklung und Erprobung von Innovationen als auch in der Praxis der Begleiteten relevante Fragen in den Blick nehmen – und damit möglicherweise wichtige Ausgangspunkte für weitere Forschungen bieten. Entsprechend schwierig ist es mitunter, ein Forschungsdesign für Begleitforschung zu entwickeln, das sowohl wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, als auch adäquat für die Praxis der Begleiteten erscheint.

Einen möglichen Ansatz, der Beforschte als aktive Gestalter_innen und damit auch als Akteur_innen in der Begleitforschung wahrnimmt und die Fragen der Beforschten als wichtigen Ausgangspunkt einer gemeinsamen Forschung aufgreift, stellt die Aktionsforschung dar. Ein Forschungsparadigma, das sich als Überbegriff für Forschungsaktivitäten an der Schnittstelle von Wissenschafts- und Praxissystem, mit starker Beteiligung oder sogar durch Initiative von Praktikerinnen und Praktikern, etabliert hat (u.a. Lewin, 1948; Argyris, Putnam, & McLain Smith, 1985; Moser, 1995; Fox, Martin, & Green, 2007), als Forschungsansatz aber auch immer wieder kritisiert wurde. In den letzten Jahren ist nun zu beobachten, dass die Aktionsforschung in der Organisations- und Managementforschung bzw. der Innovationsforschung des deutschsprachigen Raums (wieder) stärker Eingang gefunden hat – allerdings oftmals befreit von ihrem emanzipatorischen Ansatz.

Was sind nun die zentralen Merkmale einer Forschung, die – im Sinne einer partizipativen Aktionsforschung – von Beginn an auf die aktive Beteiligung der Akteur_innen setzt?

Die Rolle der Forschenden wandelt sich: Sie werden stärker zu Moderator_innen eines gemeinsamen Forschungsprozesses – dies in Form eines Austarierens der Spannungsfelder zwischen konkreten Fragen der Beforschten und übergreifenden Forschungsfragestellungen sowie zwischen der Nähe zum Forschungsfeld und einer forscherischen Distanz.

Auch die Rolle der Beforschten ändert sich: sie werden von passiv Beforschten zu aktiven Mit-Forscher_innen und müssen daher immer wieder Distanz nehmen von Ihren eigenen konkreten Praxiserfahrungen und eine (forscherische) Vogelperspektive einnehmen.

Der Forschungsprozess verändert sich: er zeichnet sich aus durch eine Offenheit gegenüber einer Weiterentwicklung der Ausgangsfragen, der Veränderung des Forschungsvorgehens, des Grades der Intervention im Praxisfeld – dies in Form von zyklischen Aktivitäten der Aktion und Reflexion im gemeinsamen Forschungsprozess.

Zeit wird zum wesentlichen Faktor: Zeit, um Vertrauen zwischen den Beteiligten aufzubauen, Fragestellungen zu konkretisieren, in das gemeinsame Forschen zu kommen, Zwischenergebnisse gemeinsam zu reflektieren und den weiteren Forschungsprozess darauf aufbauend weiterzuentwickeln bzw. gemeinsam (neue) Fragen zu formulieren.

Ein Beispiel für eine Form der partizipativen Aktionsforschung im Rahmen einer Begleitforschung finden Sie hier:

Cendon, E. (2016). Gemeinsam forschen. Action Research als Arbeitsform der wissenschaftlichen Begleitung. In E. Cendon, A. Mörth, & A. Pellert (Hrsg.), Theorie und Praxis verzahnen. Lebenslanges Lernen an Hochschulen (S. 25–44). Münster, New York: Waxmann. Open Access Version: https://de.offene-hochschulen.de/wb2011-2015/teilstudien

 

Literatur:

Argyris, C., Putnam, R. & McLain Smith, D. (1985). Action Science. Concepts, Methods, and Skills for Intervention. San Francisco and London: Jossey-Bass.

Fox, M., Martin, P. & Green, G. (2007). Doing Practitioner Research. London: Sage Publications.

Lewin, K. (1948). Resolving Social Conflicts. New York: Harper & Brothers.

Moser, H. (1995). Grundlagen der Praxisforschung. Freiburg im Breisgau: Lambertus.






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