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Begleitforschung: Aufgaben und Resonanz (Prof. Dr. Andrä Wolter)

Von Stefanie Kretschmer am 02.03.2017

Für den Expertenblog sind zwei Impulsfragen vorgegeben worden: die Frage nach den Aufgaben von Begleitforschung – im Kontext des Qualitätspaktes Lehre – und die Frage nach der Resonanz von Begleitforschung.

Begleitforschung ist ein seit den 1970er Jahren mit der damaligen Reformbewegung im Bildungssystem, insbesondere mit den verschiedenen Modellversuchsprogrammen, entwickeltes und inzwischen etabliertes Konzept. Mit wissenschaftlicher Begleitung oder Begleitforschung wird ein spezieller Forschungstypus angesprochen, der sich durch eine enge Verknüpfung von praktischen, eher beratenden Aufgaben, eine Art wissenschaftlicher Dienstleistung, und Forschungsaufgaben auszeichnet, wobei beide Aufgabentypen in einem jeweils unterschiedlichen Mischungsverhältnis stehen können.

Im Einzelnen können sich mit Begleitforschung ganz unterschiedliche Aufgaben verbinden. Das beginnt schon mit der begrifflichen Vielfalt und den fließenden Übergängen zwischen verschiedenen Forschungstypen wie Implementations-, Evaluations-, Innovations-, Wirkungs- oder Handlungsforschung. Alle diese Bezeichnungen treffen jeweils einen bestimmten Aspekt: Es geht um die Begleitung der Implementation innovativer Programme und Maßnahmen, die Analyse ihrer (Aus-) Wirkungen, gemeinhin Evaluation genannt, und dieses weniger als Teil bildungswissenschaftlicher Grundlagenforschung, sondern als Teil eines Handlungsforschungsansatzes mit einer Interventionsperspektive.

Es wäre zu klären, ob Begleitforschung und wissenschaftliche Begleitung eigentlich dasselbe oder unterschiedliche Ansätze bezeichnen. Beide Ansätze erstrecken sich auf innovative Modellversuche/-projekte/-programme, die eine zielgerichtete Weiterentwicklung oder Optimierung bestimmter Maßnahmen zum Ziel haben, beim Qualitätspakt Lehre von Maßnahmen zur Verbesserung der Lehr- und Studienqualität. Die beiden Begriffe Begleitforschung und wissenschaftliche Begleitung werden oft synonym verwendet, sie könnten aber auch differenziert werden.

Wissenschaftliche Begleitung wäre dann primär die prozessorientierte Beratung und Unterstützung der einzelnen Projekte, einschließlich der Evaluation, während Begleitforschung darüber hinaus der systematischen Erforschung des Themenfeldes, hier der Qualität der Lehre (beispielsweise Dimensionen, Indikatoren und Determinanten von Qualität oder die institutionellen Bedingungen, unter denen bestimmte Maßnahmen implementiert und durchgeführt werden), dient. Eine genaue Abgrenzung ist nicht möglich, aber der Schwerpunkt kann bei fließenden Übergängen eher auf Begleitung oder auf Forschung liegen. Während Begleitung integrierter Part der Projektimplementation und Projektrealisierung ist, wie das die älteren Konzepte von Handlungs-/Aktionsforschung postulier(t)en, kann sich Begleitforschung auch aus einer beobachtenden Distanz heraus vollziehen. 

Eine erste Differenzierung könnte danach vorgenommen werden, auf welche Ebene oder auf welchen Adressaten Begleitforschung bezogen ist:

  • auf das gesamte Programm, hier den „Qualitätspakt Lehre“,
  • auf die einzelnen Projekte, die in diesem Rahmen gefördert werden, und die an den Projekten beteiligten Akteuren,
  • auf die beteiligten Hochschulen als dem institutionellen Setting der einzelnen Projekte,
  • auf das Ministerium und/oder den Projektträger als Auftraggeber bzw. dessen Administrator,
  • oder die breitere bildungspolitisch interessierte Öffentlichkeit.

Mit den Adressaten variieren auch die Aufgaben und Ziele von Begleitforschung:

  • die einzelnen Projekte bei der Definition und Realisierung ihrer Ziele zu beraten und zu unterstützen,
  • die Projekte prozessbegleitend (formativ) und/oder von ihren Ergebnissen her (summativ) zu evaluieren,
  • die Vernetzung und den Dialog zwischen den Projekten und mit dem Auftraggeber zu fördern,
  • das gesamte Programm hinsichtlich Zielerreichung und Wirksamkeit zu evaluieren,
  • dem Aufraggeber eine Rückmeldung über Erfolg, Probleme oder Effektivität des Programms „Qualität der Lehre“ zu geben,
  • andere hochschulpolitische Akteure
  • oder die bildungspolitische Öffentlichkeit über die Ergebnisse zu informieren.

Auf der Ebene des gesamten Programmes ebenso wie auf der Ebene der einzelnen Projekte kann wissenschaftliche Begleitung bzw. Begleitforschung folgende Aufgaben wahrnehmen:

  • die theoretische und methodische Fundierung (z.B. bei der Designentwicklung, Bedarfsanalysen, Strategieentwicklung, Bedingungsanalyse usw.),
  • die prozessorientierte Begleitung und Evaluation von Programm und Projekten und deren schrittweise Optimierung,
  • die Vernetzung und Organisation der Kommunikation zwischen den Projekten,
  • die Kommunikation mit anderen politischen Akteuren oder wissenschaftlichen Einrichtungen oder Experten,
  • sowie schließlich die Ergebnisdokumentation und deren Dissemination.

Evaluation und wissenschaftliche Begleitung können wegen eines möglicherweise latenten Rollenkonfliktes – zwischen Beratung und Bewertung – auch getrennt werden, wie das bei dem Wettbewerb Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen der Fall ist. Die Gefahr einer Vermischung besser funktional differenzierter Aufgaben ist nicht von der Hand zu weisen. Von daher sollte Begleitforschung immer genau ihre jeweiligen Aufgaben und Rollen klären. Es droht nicht selten ein Konflikt zwischen dem externen, nach außen gerichteten Rechenschaftsbedürfnis der Auftraggeber und dem eher selbstbestimmten Entwicklungs- oder Forschungsinteresse der wissenschaftlichen Akteure.

Eine Schlüsselfrage ist, wem sich die Begleitforschung verpflichtet sieht: eher den Projekten und ihren Akteuren oder dem Auftraggeber. Diese Spannung kann sehr wohl einen Rollenkonflikt darstellen. Begleitforschung kann mögliche Schwierigkeiten und Probleme einzelner Projekte genau ausloten und kennen und mit den Projekten gemeinsam an deren Lösung innerhalb eines geschützten Raumes arbeiten. Oder sie kann im Interesse aller Projekte den Auftraggeber oder Projektträger über Schwierigkeiten bei der Programmrealisierung berichten. Sie kann aber auch im Interesse des Auftraggebers eine Art Kontrollfunktion gegenüber den einzelnen Projekten wahrnehmen und dabei keine Vertraulichkeitsregeln im Blick auf die intime Kenntnis von Projektdetails beachten.

Die Frage der wissenschaftlichen Unabhängigkeit – oder wem sie sich verpflichtet fühlt – ist eine ganz zentrale Frage für das Selbstverständnis und die Aufgabenerfüllung der Begleitforschung. Gegenüber den Auftraggebern benötigt Begleitforschung eine Art Zeugnisverweigerungsrecht, sonst verspielt sie das Vertrauen der Projekte, das wiederum eine unerläßliche Voraussetzung für eine qualitativ wirkungsvolle Begleitforschung ist.   

Die Frage der Resonanz kann sich auf zwei Sachverhalte beziehen. Der eine ist die Kommunikation und Dissemination der Erfahrungen und Ergebnisse sowohl innerhalb des Programms wie in eine weite bildungspolitische oder mediale Öffentlichkeit hinein. Ohne Zweifel kommt hier der Begleitforschung eine ganz zentrale Funktion zu, insbesondere der Ergebnisverbreitung in die wissenschaftliche und bildungspolitische Öffentlichkeit. Natürlich ist dies auch Aufgabe des Auftraggebers. Auch hier kann es einen Rollenkonflikt geben. Während der Auftraggeber in der Regel daran interessiert ist, die Erfolge eines Programms ins Zentrum zu rücken, und insofern ein ausgeprägtes Legitimationsinteresse hat, wäre eine unabhängige Begleitforschung zu einer realistisch-kritischen, unvoreingenommenen, abwägenden Berichterstattung verpflichtet.  

Der andere Aspekt bezieht sich auf die langfristige Sicherung und Generalisierung der Ansätze und Ergebnisse. Förderprogramme, Modellversuche, auch der Qualitätspakt Lehre sind immer zeitlich befristete Pakete, die zunächst eine exemplarische Bedeutung gleichsam als Experiment oder Erprobungsprojekt haben. Damit stellt sich unweigerlich die Frage der Nachhaltigkeit, also die Frage der Überführung temporärer Projekte in Regelstrukturen an den Hochschulen und der Ausweitung über die am Programm beteiligten Hochschulen hinaus. Hier hat Begleitforschung ohne Zweifel ebenfalls eine wichtige Aufgabe, gleichsam eine Kommunikationsfunktion nach außen. Allerdings kann Begleitforschung dabei nur begrenzt wirksam sein: Erstens ist sie in der Regel selbst zeitlich begrenzt; und zweitens findet die Umsetzung und Ausweitung von Programmergebnissen und -erfahrungen in einem komplexen Feld der vertikalen und horizontalen Politikverflechtung statt, in dem die Begleitforschung nur eine, eher nachgeordnete Stimme ist. Hier sind sicher als erstes Bund, Länder (als der zentralen hochschulpolitischen Steuerungsebene), die Hochschulen und andere intermediäre Einrichtungen gefordert. Die Begleitforschung ist in diesem „Konzert“ von Akteuren und „Stakeholder“ nur eine Instanz, meist ohne direkten politischen Einfluss.   

 






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