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Qualitätsentwicklung, begleitendende Forschung und Hochschulsteuerung: Ein Ordnungsversuch (Aprof. Dr. Tobias Jenert)

Von Stefanie Kretschmer am 19.04.2017

Die Beiträge auf dem KOBF-Blog wie auch die Diskussionen am Expertenworkshop der Begleitforschungsprojekte zum Thema „Hochschulsteuerung“ (6. und 7. März 2017 in Berlin) drehen um Stellenwert und den Handlungsmöglichkeiten wissenschaftlicher Forschung bei der Weiterentwicklung der Hochschullehre.

Eine systematische Auseinandersetzung mit den Diskussionsbeiträgen zeigt, dass es – wie so häufig bei Definitionsfragen – schwer fällt, das Verhältnis von Qualitätsentwicklung in der Lehre, begleitender Forschung und Hochschulsteuerung konsistent zu konzeptionalisieren. Ausgehend von den reichhaltigen Beiträgen der bisherigen Texte im KOBF-Blog möchte ich daher versuchen, verschiedene Dimensionen zu entwickeln, die dabei helfen könnten, das Verhältnis von (a) Lehrentwicklungsprojekten, (b) begleitender wissenschaftlicher Forschung und (c) Hochschulsteuerung zu charakterisieren. Jede der vorgeschlagenen Dimensionen hat verschiedene Ausprägungen, sodass sich mein Vorschlag eher einer Charakterisierung verschiedener möglicher Konstellationen begleitender Forschung denn einen Definitionsversuch darstellt.

1. Dimension: Gegenstand des Lehrentwicklungsprojekts

Eine erste Dimension, die betrachtet werden kann, ist der Gegenstand (-sbereich) den das wissenschaftlich begleitete Lehrentwicklungsprojekt bearbeitet. Hier lassen sich mit Brahm, Jenert und Euler (2016) drei Ebenen unterscheiden: Projekte auf (1) der mikrodidaktischen Ebene adressieren das Lehren und Lernen unmittelbar. Es geht also um didaktische Designs, etwa die Einführung neuer Lehr-/Lernmethoden oder Begleitungsformate. Auf der (2) curricularen Ebene geht es hingegen um die Gestaltung größerer Einheiten, z.B. die Neugestaltung eines Studienprogramms. Auf der (3) organisationalen Ebene schließlich geht es um die Gestaltung lehrbezogener Strukturen und Prozesse, etwa die systematische Einbeziehung von Lehrqualifikationen in Berufungsprozessen oder die Neugestaltung von Prozessen zur Ressourcenallokation in der Lehre.

Der Gegenstand des Lehrentwicklungsprojekts ist insofern von Bedeutung, weil er die Art der Forschungsfragen mitbestimmt, welche die begleitende Forschung zu bearbeiten hat.

2. Dimension: Fragestellungen begleitender Forschung

Der Gegenstand des Lehrentwicklungsprojekts wie auch der angestrebte Verwertungszusammenhang (3. Dimension) beeinflussen die Fragestellung begleitender Forschung. Die Begleitung von Projekten auf mikrodidaktischer Ebene kann beispielsweise eng gefasste Fragen nach der Wirkung einzelner Interventionen auf das Lernen von Studierenden stellen. Daraus ergeben sich Forschungsdesigns, wie sie z.B. für die Lernpsychologie typisch sind. Geht es hingegen um die Etablierung neuer Policies zur Steuerung der Lehre auf Hochschul- oder Fakultätsebene fragt die Begleitende Forschung vielleicht eher nach dem Verlauf von Implementationsprozessen. Daraus ergeben sich Forschungsdesigns, wie sie eher für die Organisationssoziologie typisch sind.

3. Dimension: Verwertungszusammenhang / Steuerungs(-selbst-)verständnis

Die dritte Unterscheidungsdimension für die Charakterisierung begleitender Forschung ist der angestrebte Verwertungszusammenhang. Eng damit verknüpft sind Vorstellungen davon, wie begleitende Forschung zur Entwicklung von Lehre bzw. zur lehrbezogenen Hochschulsteuerung beitragen kann und sollte.

Eine extreme Ausprägung dieses Steuerungs(-selbst-)verständnisses begleitender Forschung wäre die unmittelbare Verflechtung der begleitenden Forschung mit dem jeweiligen Lehrentwicklungsprojekt und der konkreten Mitarbeit ‚vor Ort‘. Die begleitende Forschung ist dann sowohl inhaltlich als auch zeitlich an das Lehrentwicklungsentwicklungsprojekt gekoppelt. Demgegenüber stünden Formen ‚reiner‘ Forschung, die abstrakte Erkenntnisse gewinnt und diese in Form wissenschaftlichen Wissens den Akteuren in der Hochschulsteuerung bereitstellt. Ein Beispiel wäre die Bereitstellung statistische Ergebnisse zur Wirkung unterschiedlicher didaktischer Gestaltungsformate ohne jegliche weitere Beurteilung (z.B. bezüglich der Passung verschiedener Formate auf den jeweiligen Hochschulkontext).

4. Dimension: Darstellung von Ergebnissen / Kommunikation

Eng mit dem Steuerungs(-selbst-)verständnis hängt auch die Art und Weise der Ergebnisdarstellung und der Kommunikation zusammen. Eine Ausprägung wäre hier das aktive Mitprägen strategischer bzw. hochschulpolitischer Entscheidungen im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung. Am anderen Ende des Kontinuums stüdnde die Darstellung von Forschungsergebnissen im Rahmen wissenschaftlicher Publikationen. Dazwischen liegen Formen ‚verarbeiteter‘ Ergebnisse, die im Rahmen der Wissenschaftskommunikation auf bestimmte Zielpublika hin aufbereitet werden (vgl. Pasternack in diesem Blog).

5. Dimension: Übergreifendes Forschungsverständnis

Zusammenfassend lässt sich für einzelne Projekte im Rahmen begleitender Forschung jeweils ein Forschungsverständnis formulieren. Eine extreme Ausprägung wäre hier die unmittelbar handelnd eingreifende begleitende Forschung als Aktionsforschung (vgl. Cendon & Maschwitz in diesem Blog). Auf der anderen Seite stünde eine neutral-distanzierte ‚Grundlagenforschung‘ ohne unmittelbaren Gestaltungsbezug. Dazwischen liegen verschiedene Ausprägungen so genannter gestaltungsorientierter Forschung (vgl. Reinmann in diesem Blog), die wissenschaftliche Erkenntnisse für die lokale Verwertung in Form von Gestaltungsprinzipien ausarbeitet.

Die fünf Dimensionen sind weder trennscharf noch erschöpfend. Dennoch könnten sie dabei helfen, einzelne Projekte begleitender Forschung zu verorten und vor allem auf ihre innere Konsistenz zu Prüfen. Passen die Fragestellungen zum angestrebten Verwertungszusammenhang? Werden Ergebnisse so dargestellt, dass sie die beabsichtigten Steuerungswirkungen entfalten können?






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